Home - Kirche-in-burg.de

Direkt zum Seiteninhalt
Herzliche Einladung zu unseren nächsten Gottesdiensten:
Himmelfahrt, 13. Mai, 11.00 Uhr Nicolaikirche
Sonntag, 16. Mai, 11.00 Uhr Nicolaikirche, 15.00 Uhr Ihleburg
Pfingstsonntag, 23. Mai, 11.00 Uhr Konfirmation in Unser Lieben Frauen
"Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu Jesus eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen es auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten es. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!"
(Lukas 8,4-8)

Meine Mutter hat ein paar Jahre ihrer Kindheit auf der Halbinsel Hermannswerder südlich von Potsdam verbracht. Dort war ihr Vater nach dem Krieg Pfarrer in der Hoffbauer-Stiftung, die bis heute ein Wohn-, Arbeits- und Lernort für Menschen mit Behinderungen ist. Die Hoffbauer-Stiftung wurde von Diakonissen geleitet und die Oberin führte ein strenges Regiment. So manche Schwester beklagte sich bitter über die Strafen, die die Oberin bei geringsten Fehlern verhängte. Manchmal wurden die Schwestern sogar geschlagen. Pfarrer Pecina war ein streitbarer Mensch und stellte die Oberin zur Rede. Aber die ließ sich von einem jungen Pfarrer nicht in ihre Arbeit reinreden.
Was tun? Einfach klein beigeben, war nicht seine Sache. Vor dem Krieg war Pecina Kommunist gewesen. Im Dritten Reich gehörte er zur Bekennenden Kirche. Da sollte er jetzt vor einer Oberin kuschen? Pfarrer Pecina wandte sich an Bischof Otto Dibelius und beschrieb alle Klagen, die gegen die Oberin vorlagen. Tatsächlich erreichte er damit, dass die Oberin in den Ruhestand versetzt wurde. Die Hoffbauer-Stiftung atmete auf. Ein paar Wochen später meldete sich Dibelius bei Pfarrer Pecina auf Hermannswerder an. Bei einem vertraulichen Gespräch legte er ihm nahe, die Pfarrstelle auf der Halbinsel zu verlassen und sich woanders zu bewerben. „Jetzt, wo die Oberin gegangen ist, wäre es doch für den Frieden in der Stiftung gut, wenn auch der Pfarrer ausgewechselt würde.“ Pecina wunderte sich, aber nahm den Rat des Bischofs an. Er ging mit seiner Familie nach Falkensee. Viel später verstand er erst, was geschehen war: die Oberin war die Schwester des Bischofs gewesen und hatte gegenüber ihrem Bruder darauf bestanden, dass nicht nur sie, sondern auch der aufmüpfige Pfarrer gehen soll.


Dieser Blick in die Geschichte zeigt mir, dass es auch in wichtigen Entscheidungen der Kirche oft sehr menschlich zugeht. Soll das Wirken der Christen nicht viel Früchte hervorbringen? Das Gleichnis von Jesus scheint ja die Menschen einzuteilen in jene, die nur flüchtig von Gottes Wort berührt werden, jene, bei denen Gottes Wort ein kurzes Aufblühen hervorbringt, jene, bei denen Gottes Wort ständig von allen anderen Sorgen überwuchert wird und jene, bei denen Gottes Wort viel Frucht bringt. Das wäre aber zu einfach. Niemand passt einfach in eine dieser vier Schubladen rein. Kennen wir das nicht auch von uns selbst?
Manchmal gehen wir über ein gutes Wort hinweg, ohne zu bemerken, was uns da gerade Wunderbares gesagt wurde. Ein andermal sind wir hell begeistert, aber am nächsten Tag ist alle Begeisterung unter der Hitze eines stressigen Tages eingetrocknet. Wiederum ein anderes Mal versuchen wir einen kostbaren Gedanken für uns anzunehmen und ihn nicht zu vergessen. Gleichzeitig schwirren uns so viele andere Gedanken um den Kopf, dass es doch wieder nichts wird. Doch dann auf einmal, wer weiß wie, da lebt ein guter Gedanke in uns, wir merken, wie er uns trägt und wie wir für andere ganz viel positive Energie ausstrahlen.

So möchte ich das Gleichnis von Jesus verstehen. Versuche nicht, dich in eine der vier Schubladen zu pressen. Du bist nicht entweder so oder so. Keiner ist nur harter Fels. Keiner ist nur guter Acker. Die Saat eines jeden guten Wortes fällt in uns auf sehr unterschiedlichen Boden. Freue dich, wenn das Gute in dir Früchte hervorbringt! Aber hadere nicht damit, dass vieles flüchtig bleibt, einiges nur kurz blüht, anderes in Sorgen untergeht. Das gehört zum Leben. Wenn es uns gelingt, trotz allem immer wieder auf das zu hören, was uns guttut und Zuversicht schenkt, so dass es Wurzeln schlagen kann, dann halten wir auch gut die anderen Seiten aus, die auch zu uns gehören.


Es grüßt Sie herzlich
Ihr Pfr. Peter Gümbel
Zurück zum Seiteninhalt